Herzlich Willkommen im KiFo! Foren KiFo- Gesundheitsecke Cannabis als Medizin Ahnungslose mit PTBS: Medis, Übernahmeantrag und einer lustigen Ärztin :-)

Dieses Thema enthält 5 Antworten und 3 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  JackJuicyFruit vor 6 Tagen, 18 Stunden.

Ansicht von 6 Beiträgen - 1 bis 6 (von insgesamt 6)
  • Autor
    Beiträge
  • #1920

    Regenbogenbluete
    Teilnehmer
      • Offline

    Hallöchen!

    Ich freue mich sehr, auf diese Seite gestoßen zu sein, auf der man so herrlich unkompliziert über Cannabis spricht – leider ist das ja eher selten.

    In der Hoffnung, dass ihr euch nicht kringelig lacht, „gestehe“ ich, dass ich noch nie gekifft habe (bin 49) – selbst beim Rauchen wird mir schlecht, oder ich verbrenne mir beim vermeintlich coolen Wegschnipsen des Filters die Haare! Soll heißen: ich bin völlig unbedarft, aber dringend auf der Suche nach  Hilfe.

    Seit Jahrzehnten quälen mich die Folgeschäden einer komplexen PTBS, immer wieder brechen neue Erinnerungen auf, wodurch vor allem die massive innere Anspannung immer wieder verstärkt wird. Und genau um diese Anspannung geht es in Verbindung mit Cannabis. Ich finde keine Entspannung. Gehe ich nachts hundemüde ins Bett, schrecke ich kurz vor dem Einschlafen (Kontrollverlustzeit) in Todesangst wieder hoch. Durch Medis kann ich wenigstens etwas schlafen, die sind aber auch schon in der Kathegorie Schlafmittel + Benzos anzusiedeln (in kontrollierter Dosis ohne Dosiserhöhung). Dieses Aufschrecken aus Todesängsten wiederholt sich vor allem nach Traumatherapiearbeit gut und gerne 10x in der Nacht. Morgens wache ich schon mit enorm hoher Anspannung wieder auf, die sich über den ganzen Tag erstreckt. Ich bin tagsüber erschöpft und müde, Aktivitäten fallen mir schwer, weil sie soviel Anstrengung kosten.

    Schwere Depressionen kenne ich auch, die lassen mich aber im Moment in Ruhe (*klopf auf Holz). Außerdem habe ich chronische Nervenschmerzen, die sich auch bei Traumaaktivität (Flashbacks, etc.) verstärken. Ich wurde allein 15x unnötig an verschiedenen Nerven operiert, allein 4x davon auf dem Fußrücken rechts – dieser Fuß leidet seither unter chronischen Narbenschmerzen.

    An Antidepressiva, Neuroleptika, Antiepileptika, Schmerzmitteln (inkl. Opiaten) habe ich die halbe Rote Liste durch – im Moment nehme ich noch ein Antidepressivum, ich denke, das hilft maximal gegen die massiven Ängste. Die Anspannung bleibt. Neuroleptika und Antiepileptika vertrage ich nicht, weil sie die Dissoziationsneigung (Selbstentfremdung) verschlimmern. Vom Rest der Liste habe ich insgesamt 30 kg an Gewicht zugenommen und auch sonst noch nette Nebenwirkungen – wenn „selten“ drin steht, bin ich dabei 🙂

    Entspannungsübungen kann ich leider nicht durchführen, da ist dann wieder das Ding mit dem Kontrollverlust im Weg. Ich gehe 2-3x in der Woche gut 2000-3000 m schwimmen, währenddessen geht es etwas mit der Anspannung, aber sie wartet schon draußen am Eingang auf mich, um wieder mit nach Hause zu kommen. Ist ne treue Seele 🙂

    Da selbst Benzos nicht gegen die massive innere Anspannung helfen, beschäftige ich mich schon seit längerer Zeit mit Cannabis als Entspannungshilfe. Meine Psychiaterin ist da schon mal ganz niedlich und überhaupt keine Hilfe, die verschreibt generell keine BTM-Rezepte. Also war ich bei meiner Schmerzärztin, und sie hat letzten Montag sofort einen Antrag auf Kostenübernahme bei der Krankenkasse gestellt. „Leider“ allerdings „nur“ auf die Schmerzen, wir hoffen, dass die PTBS mit berücksichtigt wird.

    Nun bin ich, was so was angeht (neue Medis ausprobieren) eine richtige Bangbüx! Hinzu kommt, dass mein Mann „not amused“ ist, dass seine Angetraute „Drogen“ nehmen will. Außerdem habe ich Angst vor einer Psychose. Dazu meinte meine Ärztin aber, da könnte nix passieren.

    Trotzdem: auch dem tollsten Dudelsack geht irgendwann die Puste aus – will sagen: mit dieesr Anstrengung + Schmerzen + Traumabearbeitung zu leben, ist so was von anstrengend und raubt so viel Lebensqualität, dass ich hoffe, dass die Kostenübernahme bewilligt wird.

    Aufgrund meiner Berührungsängste mit Cannabis und um zu gucken, ob es überhaupt hilft, hat meine Ärztin ganz locker vorgeschlagen: „Probieren Sie es doch mal aus! Essen Sie mal nen Spacekeks!“ Ich hab geguckt wie ein Auto, aber es ist nicht gelogen! Meine Therapeutin setzte noch einen drauf und meinte: „Das könnte genau das Richtige für Sie sein, probieren Sie es aus!“

    Jau, würde ich ja gerne! Aber ich habe ein Problem: ich kenne keinen, von dem ich Cannabis beziehen könnte. Ja, ich kann mir vorstellen, dass jetzt die eine oder der andere lächelt, aber ich hatte bisher überhaupt nix damit zu tun. Meine Ärztin: „Bitte? Sie kennen keinen Jugendlichen, der Ihnen etwas besorgen könnte?“ – Nein, kenne ich nicht! Hinzu kommt, dass ich ja nicht mal wüsste, was ich machen müsste, wenn ich nun doch an etwas Cannabis gekommen wäre. Meine Raucherfahrungen waren ja bisher nicht die besten! Zigarettendrehen kann ich auch (noch) nicht!!! Ich würde mich aber sogar überwinden, zu versuchen, das Zeug zu rauchen, ich hoffe so sehr auf etwas Entspannung.

    Niemals im Leben hätte ich gedacht, dass ich so etwas einmal fragen würde, aber: was kann ich tun??? Worauf muss ich achten? Ich könnte nach Holland fahren und einen Keks essen, aber es gibt so viele „Sorten“ – ich bin total überfordert!

    Jau, so ist das! Ich freue mich riesig auf Antworten

    liebe Grüße

    Regenbogenbluete

     

     

    #1922

    JackJuicyFruit
    Keymaster
      • Offline

    Hui, na da da ist ja einiges zusammen gekommen an Text, du scheinst ja auch einiges hinter dir zu haben…

    Rein prinzipiell ist Cannabis ja eine gute Option für die Krankheitsbilder die du beschreibst, es gibt ja bereits einige positive Berichte aus dem Bereich. Damit stehst du auf jeden Fall schon einmal nicht alleine und du kannst dir sicher sein, das wir hier im Kifferforum so etwas auch vernünftig behandeln und gerne versuchen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, sei es mit eigenen Erfahrungen oder nützlichen Info-Portalen im Web.

    Die Geschichte mit deinen Ärzten ist ja leider bei vielen noch so, das sich die Ärzte nicht trauen oder schlicht weigern Cannabis zu verordnen, alles halt noch eine schwierige Sache, gerade für die betroffenen Patienten. Und dann ist da ja noch das Klischee mit den „bösen Drogen“, kann ja nicht sein das Gras rauchen gut sein soll 😛 Da kann man leider nichts anderes machen als Informationsarbeit zu leisten, letztenendes kanst du ja aber nicht einfach so die Denkweise deines Gegenübers ändern (auch wenn es manchmal echt nützlich wäre 😛 ). Du scheinst dich ja schon in die Materie vertieft und eingelesen zu haben, von daher scheint ja schon einmal etwas an Grundwissen vorhanden zu sein 🙂

    So, jetzt befassen wir uns aber mal ein wenig mit deinen Fragen am Ende deines Textes, wenn ich jetzt noch weiter ausschweife komme ich selber durcheinander 😉

    Zunächst mal was die Sortenwahl angeht. Ein kleiner Exkurs in die Genetik von Cannabis 😀

    Grob gesagt haben wir bei Cannabis zwei Gattungen, Indica und Sativa, die sich in der Wirkung unterscheiden. Sativa-Pflanzen wirken eher kopflastig, stimmungsaufhellend, anregend. Man kann es auch gut als „Party-Dope“ bezeichnen 😛 Indica-Pflanzen hingegen wirke eher auf den Körper, sie sorgen für eine Muskelentspannung und eine gewisse Müdigkeit, gut bei Schlafstörungen zum Beispiel wie ich sie habe. Natürlich gibt es dann auch noch Kreuzungen, die beides in sich vereinen, eine gewisse Entspannung mit kopfaktiver Note, das sind dann Hybrid Pflanzen, aber ich schweife schon wieder ab 😛

    Man kann grob sagen das sich Sativa Pflanzen bei deinen beschriebenen Krankheitsbildern eher eignen würden. Nun  gibt es aber tausende an verschiedenen Sorten, mit ganz toll klingenden Namen, die sich in ihren Wirkstoff Konzentrationen und Zusammensetzungen immer wieder leicht unterscheiden und auch in der Wirkung leichte Unterschiede haben können. Und von den verschiedenen Aromen wollen wir mal gar nicht anfangen, es soll ja schmecken was man raucht 😛 Rein von meinen persönlichen Erfahrungen würde ich dir halt eher zu einer Sativa Variante raten, da eine Indica mit leicht kopfaktiver Wirkung bei so etwas eher kontraproduktiv sein kann. Man will ja nicht grübelnd auf dem Sofa liegen, wenn man eh schon in einer sehr „verkopften“ Phase ist, um es mal einfach zu sagen…

    Da kann man eigentlich nur ein wenig austesten und sich auf sein eigenes Gefühl verlassen, der Körper weiß schon was ihm gut tut 😉

    Was deine Idee mit Holland angeht:

    Klar kannst du in die Niederlande fahren und dich dort in einem der Coffeeshops eindecken zum ausprobieren, immerhin bist du ja volljährig und diese Aktion, das man als Ausländer in den Shops nichts mehr kaufen darf, ist auch in den meisten Bereichen der Niederlande nicht umgesetzt. Natürlich gibt es auch andere Varianten Cannabis zu konsumieren, als es zu rauchen. Zum einen kannst du es essen, wie deine Ärztin es dir vorgeschlagen hat, man kann aber auch trinkbare Extrakte herstellen, oder eine Variante die ich sehr mag, das ganze verdampfen. Es gibt so nette Geräte, nennen sich Vaporizer, darin kann man sein Cannabis erhitzen ohne es zu verbrennen. Die wichtigen Wirkstoffe die man haben möchte werden beim inhalieren dann herausgelöst, eine wesentlich angenehmere und saubere Variante als das rauchen und gerade für Nichtraucher, oder Menschen die ihr Cannabis halt nicht rauchen möchten, ist dies eine sehr gute Option.

    Ich stell mir jetzt halt nur die Frage wie du dir da testen in den Niederlanden vorstellst? Ich muss ja nochmal darauf hinweisen, das es illegal ist THC-haltige Produkte mit nach Deutschland zu bringen, egal ob der Wirkstoff in einem Joint oder einem Keks steckt. Natürlich kann man nicht verhindern, das man mal „aus versehen“ einen Space Cookie in der Tasche vergisst und ihn doch mit nimmt 😛 Aber wir wollen ja immer schön artig uns an die Gesetze halten 😉

    Wenn du direkt in den Niederlanden konsumieren möchtest, würde sich ja ein Aufenthalt übers Wochenende anbieten. Dann hat man einfach mehr Ruhe und kann sich ggf. auf ein Hotelzimmer zurückziehen, falls es einem doch zu viel wird beim ersten mal. Da du ja noch keine Erfahrungen mit Cannabis hast, solltest du das ganze dann vorsichtig angehen. Es gibt diverse Space Cookies in den Niederlanden, die mit ihrem Wirkstoffgehalt für einen unerfahrenen Nutzer echt heftig sein können. Keine Panik, bisher ist noch keiner von Cannabis gestorben! und die einzig bekannte tödliche Dosis Cannabis liegt bei ca. 10 Kilo die dem Konsumenten aus einer sehr großen Höhe auf den Kopf fallen 😛 Aber es kann einem doch schon mal den Kreislauf durcheinander bringen wenn es zu viel war und so etwas muss man ja nicht haben.

    Mein Tipp deshalb: Solltest du dich für den Kauf eines Space Cookies entscheiden, iss erstmal nur ein bisschen, nicht direkt den ganzen Keks! Dann warte erstmal eine gewisse Zeit, wenn man Cannabis isst dauert es etwas bis sich die Wirkung einstellt, anders als beim rauchen oder verdampfen, wo die Wirkung fast unmittelbar spürbar ist. Warte erstmal und prüfe ob du etwas merkst und iss ggf. erst dann noch ein weiteres Stück, wenn du meinst das du noch etwas vertragen könntest. So gehst du zumindest sicher, nicht direkt beim ersten mal zu viel zu dir zu nehmen, es soll ja ein angenehmes Erlebnis werden. Deshalb auch der Rat das ganze vielleicht mit einem kleinen Wochenendaufenthalt zu verknüpfen, so hast du dann auch noch Zeit die Wirkung zu spüren und danach das ganze auch nochmal etwas zu verarbeiten, und musst nicht völlig breit den Rückweg antreten (was das ganze eh recht schwierig macht 😛 )

     

    So, da ist ja schonmal einiges an Text zusammengekommen, wer viel schreibt bekommt halt eine lange Antwort 😛

    Und keine Sorge wegen den nicht vorhandenen Drehkünsten 😉 Ich selber kann auch keine Zigaretten, geschweige denn Joints von Hand drehen 😛 Aber man muss sich nur zu helfen wissen 😉

     

    Es grüßt,

    Jack

     

    #1929

    Regenbogenbluete
    Teilnehmer
      • Offline

    Hallo Jack,

    ui, lieben Dank für deine ausführliche Antwort. Jau, ich dachte, ich erklär mal, worum es bei mir so geht 🙂

    Oh weh, da muss ich ja ganz schön viel beachten. Ganz ehrlich: ich brauch einen, der mich ans Händchen nimmt. Wieso hat meine Schwägerin meine Nichte und meinen Neffen bloß so artig erzogen, hihi?!

    Gibt´s so was? Kiffen für Anfänger? Den Vaporizator finde ich auch interessant, auch wenn er mich immer an Hansemann aus der Lindenstrasse erinnert!

    Selbstverständlich möchte ich nichts Ungesetzliches veranstalten – wenn man so einen Keks aber nicht so ganz schafft…man soll ja keine Lebensmittel wegwerfen 😉

    Ich bin gespannt, ob das Rezept für Dronabinol durchgeht – ich nehme noch Wetten an!

    Wenn die KK das ablehnt, werde ich weitersuchen, ich kann da sehr nervig werden.

    Im Moment mache ich Urlaub an der Nordsee und hier wütet ein Orkan. Genau richtig, um den Kopf freizupusten. Hält nur leider nicht lange an…

    Liebe Grüße

    Rbb

    #1931

    JackJuicyFruit
    Keymaster
      • Offline

    Nuja, was heißt es gibt einiges zu beachten, Ich habe halt recht ausführlich geantwortet, um möglichst viele Dinge ansprechen zu können. Klingt jetzt erstmal alles recht seltsam und neu, aber letztenendes geht es ja nur darum, dir Linderung zu verschaffen. Ich bin halt auch nur auf Sachen wie eine Überdosierung eingegangen, damit du auch wirklich weißt worauf du dich einlässt und dein erstes Mal sicher abläuft.

    Ich sollte vielleicht mal einen Kurs anbieten „Das kleine Kiffer 1×1 – Kiffen für Anfänger“ 😛 Letztenendes haben wir alle irgendwann einfach mal durch ausprobieren unsere Erfahrungen gemacht, wir alle hatten mal unser erstes Mal 😉 Ich kann dir auch empfehlen einfach mit den hiesigen Verkäufern zu sprechen, wenn du dich für so eine Reise in die Niederlande entscheiden solltest. Die können eigentlich auch häufig etwas zu ihren Produkten sagen, oder du sprichst einfach mal mit ein paar Leuten, die eh in dem Laden sitzen 😉

    Vaporizer sind echt eine nette Option zum rauchen, nebenbei sind sie auch noch sehr dezent und unauffällig, sodass die meisten Leute gar nicht mitbekommen was man da gerade für ein Kraut drin hat 😉 Man kann den Vapo natürlich auch für andere Kräuter verwenden, ich nutze meine Vaporizer zum Beispiel sehr gerne mit Minze, was wunderbar für Hals und Rachen ist 😀

    Das mit dem Dronabinol bei dir wäre ja mal eine Option, interessant wäre halt wie du auf das Medikament ansprichst, und natürlich ob die KK es letztenendes übernimmt, ansonsten wirds recht teuer… Aber ich persönlich bin immer noch der Meinung das die natürliche Variante den Medikamenten vorzuziehen ist, aber das ist ja mal wieder ein ganz eigenes Thema für sich und sprengt hier jetzt ein wenig den Rahmen 😛

    #1954

    Tazzia
    Teilnehmer
      • Offline

    Huhu…

    Sagmal Jack, wäre nicht evtl. auch noch CBD Öl eine erste und sogar in Deutschland erhältliche Möglichkeit?

    #1955

    JackJuicyFruit
    Keymaster
      • Offline

    CBD-Öl kann hier auch eine Option sein, es ist halt nur die Frage ob die Wirkung davon ausreicht. Rein aus persönlicher Erfahrung würde ich in diesem beschriebenen Fall schon eher auf THC-haltige Substanzen zurückgreifen. Man müsste halt erstmal schauen in wie weit der Körper auf die Wirkstoffe reagiert und dann ihren Nutzen einschätzen, aber ich kann mir schon vorstellen, das in diesem Fall eine psychoaktive Note hilfreich sein kann.

Ansicht von 6 Beiträgen - 1 bis 6 (von insgesamt 6)

Du musst angemeldet sein, um auf dieses Thema antworten zu können.