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    Satihex
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    Eine PTBS (post-traumatische Belastungsstörung) hat recht unterschiedliche Erscheinungsformen und Schweregrade (Entwicklungsstadien). Deshalb kann ich niemandem empfehlen, meinem Beispiel zu folgen. Im Folgenden beschreibe ich nur, welche Folgen bei mir auftreten und wie sie von mir kontrolliert werden.

    Ich bin ´63 geboren, Rentnerin und leide seit meinem 10. Lebensjahr an den Folgen traumatischer Erlebnisse. Mehrere Therapien samt der dazugehörigen, (teilweise Fehl-) Diagnosen blieben erfolglos bzw.verschlechterten meinen Zustand. Erst der Entschluß, die Verantwortung für meine körperliche und seelische Gesundheit selbst in die Hand zu nehmen und mich mit Cannabis selbst zu therapieren brachte Besserung und so etwas ähnliches wie Lebensqualität.

    Seit vielen Jahren stellt mich die PTBS vor die Aufgabe, daß ich mit sogenannten Flashbacks leben muß. Flashbacks sind Erinnerungssequenzen an die Erlebnisse, die irgendwie mit dem Trauma in Zusammenhang stehen. Sie treten häufig spontan auf, nachts im Schlaf (Traum), werden aber auch tagsüber ausgelöst durch Bemerkungen, Gerüche und vieles mehr. Diese Erinnerungs-Flashbacks lösen wiederum Gedankenkreise aus, so etwas wie eine Endlos-Schleife, die sich um das Thema dreht und unendliche Achten beschreibt. Da sie nachts und besonders morgens auffallend intensiv sind und somit besonders belastend, kam ich auf die Idee, das alles könnte wohl auch mit meinem Melatonin/Serotoninspiegel zu tun haben.

    Der Melatoninspiegel steht im Zusammenhang mit dem Tag/Nachtrhytmus, er fällt nachts. Er steht auch im Zusammenhang mit Depressionen und Schlafstörungen. So meine Annahme oder These, an der ich mich orientiere.

    Erste Maßnahme: Vorgehen gegen die Flashbacks, da sie Denken, Erinnern und somit das Verhalten doch sehr stören. Wie? Cannabis greift in das körpereigene Endocannabinoidsystem ein, es löscht die Erinnerungen nicht, sondern löst im Lustzentrum des Gehirns eine Stimulation aus. Soll heißen, sobald diese Flashbacks auftreten, Cannabis als Gegenmaßnahme, da es den Zustand innerer Unruhe, „Dünnhäutigkeit“und negativer Gedankenkreise durch die Stimulation unterbricht. Mit der eintretenden Sedierung und Entspannung werden die Gedankenkreise kontrollierbar, ich kann die Erinnerung bewußt „wegschieben“, zumindest eine Zeit lang. Bis die Wirkung nachläßt oder der nächste Flashback lauert.

    Es ist jedoch nur die halbe Miete, denn letztendlich sind die Folgen der PTBS auch eine gediegene Soziophobie (Sozialphobie). Jeder Kontakt mit anderen Menschen stellt Streß dar. Der Aufenthalt in der Öffentlichkeit oder gar Menschenmengen sind extrem unangenehm und werden möglichst gemieden. Als soziales Wesen, das Mensch ist, entwickelt sich aus Einsamkeit, fehlenden Freunden, zu wenig Sozialkontakten schnell eine Depression.

    Mein Vorgehen gegen Depression setzt auf Selbstdisziplin, einen strukturierten Tag und täglich!!! Aufenthalt im Freien bei mäßig bis intensiver Anstrengung um die Mittagszeit, dem jeweils höchsten Sonnenstand entsprechend. Es muß die Mittagszeit sein, da über das Auge und das aufgenommenen Sonnenlicht der Melatoninspiegel geregelt wird. Der Abbau von Streßhormonen durch sogenanntes Auspowern sollte so auch klappen.

    Es hat lange gedauert, bis ich mich getraut habe, die Dosis Cannabis auch tatsächlich zu benutzen, die ich benötige, um Flashbacks, Sozialphobie und Depressionen im Griff zu behalten. Die Soziophobie hängt doch zum Großteil mit der Angst vor einer erneuten Kriminalisierung zusammen. Mir sind die Ansichten der „Stinos“ (=Stinknormale) hinlänglich bekannt. Kiffer sind immer noch haltlose, antriebslose, faule, kriminelle Subjekte in deren Augen. Eine Katastrophe für Menschen wie mich, die auf so etwas wie Integrität Wert legen. Ich bin nicht kriminell, ich verkaufe nichts, ich füge (hoffentlich) niemandem einen Schaden zu. Ich helfe mir lediglich selbst, indem ich für mich wirksame, oft eher sativalastige Strains anbaue und die getrockneten Blütendolden rauche. Täglich. Mehrfach.

    Der Erfolg ist für mich persönlich nicht unerheblich. Ich bin unter Cannabiseinfluß wieder in der Lage, soziale Kontakte zu knüpfen und zu halten. Wenigstens unter Kiffern macht mich keiner blöd an, weil ich so viel kiffe. Es ist auch wieder möglich, stundenweise ab und an mich in Menschenmengen aufzuhalten, sogar an einer Demo teilnehmen oder einfach mal einkaufen gehen. Einen Laden allein betreten. Meilensteine für mich, normal für andere.

    Solange ich die Flashbacks kontrollieren kann, werden auch Panikattacken seltener und milder. Somit findet auch wieder ein „klares Denken“ statt. Panikattacken verhindern ein strukturiertes Denken, es ist der Versuch des Gehirns, durch ungerichtete Instinktreaktionen (erbkoordinierte Verhaltensmuster) ein Entkommen aus einer unlösbaren Konfliktsituation zu bewirken. Soll heißen, ich kann nur stoned klar denken und sicher auf meinen Intellekt zugreifen. Ohne diese Medikamente (als solche nutze ich sie) gleiche ich eher einer hysterisch durchgeknallten, denn einer intelligenzbegabten Frau. Dumm gelaufen für mich, aber mit meinem „Arrangement“ kann ich ganz gut leben, wenn ich auch einen recht hohen Preis zahle. Umsonst ist aber nun mal nix im Leben.

    PTBS und Straßenverkehr sind ein weiteres Thema für sich. Eine Panikattacke während einer Autofahrt wäre fatal. Eine Fehlreaktion im Auto bringt nun mal auch andere in Gefahr, deshalb habe ich für mich entschieden, niemanden einem solchen Risiko auszusetzen. Solange ich quasi das Risiko einer Panikattacke im Auto (also als Fahrerin) ausgesetzt bin, fahre ich nicht. Das wäre mit Sicherheit der Fall, wenn ich „nüchtern“ fahren würde. Autofahren sollte ich nur, wenn ich sicher bin, die Panikattacken kontrollieren zu können. Das wäre der Fall, wenn ich ausreichend Cannabis konsumiert habe. Genau das ist jedoch verboten, zumindest, solange ich über keine offizielle Genehmigung verfüge. Eine Zwickmühle, denn die Aussichten auf eine Genehmigung stehen immer noch schlecht und sind ein elendig langer Behördenk(r)ampf. Sich den Behörden gegenüber zu offenbaren birgt nun durchaus auch Risiken, wie man weiß. Also lieber nicht.                                    Die verzögerte Reaktionszeit auszugleichen ist hier jedoch noch ein weiterer, nicht unwichtiger Punkt. Eine defensive, angepasste Fahrweise sollte jedoch ausreichen, die leichte Trägheit zu kompensieren, meine ich. Daß man sich während der Fahrt nicht unbedingt ins „Nirvana“ kiffen oder gar dabben sollte, versteht sich von selbst. Auch hier kommt es auf die Wahl der Sorte und der konsumierten Menge an. Aber nun ja, ich habe kein Auto und ich glaube, das ist auch gut so. Zumindest, bis sich die nebulöse Rechtslage hier in D endlich klärt, verzichte ich aufs Autofahren.

    Eine PTBS in eigener Regie zu behandeln, empirisch (durch Versuch und Irrtum) wirksame Strains und eine Dosierung finden, die ein halbwegs vernünftiges Leben ermöglichen, das alles war ein jahrelanger Weg. Dennoch bin ich froh, ihn gegangen zu sein. Ich bin überzeugter denn je, daß mein Weg der Richtige für mich ist, aber ich empfehlen ihn nicht weiter. …I took a walk on the wild side…

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