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  • als Antwort auf: Ben Dronkers Interview #4731

    streuner
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    Teil Zwei des Interviews.

     

    In der Zwischenzeit hatte ich den ersten “Coffeeshop” in Rotterdam eröffnet. Sensi Smile. Was in Amsterdam möglich war, mußte doch auch in Rotterdam gehen dachte ich. Doch ich wurde ständig festgenommen.

    Wie lange hast du dann gesessen?
    Manchmal ein paar Stunden, aber manchmal auch ein paar Tage oder eine Woche. Aber sobald ich draußen war, habe ich sofort wieder aufgemacht.
    Ein Katz und Mausspielchen mit der Obrigkeit?

    Nein, das war kein Spielchen. Das schlimmste was einem Menschen passieren kann ist es im Gefängnis zu sein. Leute die das anders sehen, fühlen sich wohl im Gefängnis  zu Hause. Nein, ich tat das nur aus Idealismus und weil ich wußte das ich Recht habe.

    Dronkers steckt sich seinen Joint noch einmal an. „Willst du noch etwas trinken? Einen von diesen wirklich leckeren Hanfproteinshakes? Und vielleicht einen Blick ins Museum werfen? Das ist so schön geworden, Du mußt wirklich eben mal schauen. In den 30 Jahren in denen wir hier sind, hat soviel ich weiß, noch nicht ein Journalist das Museum besucht. Und das bei 100000 Besuchern im Jahr und keinerlei Subventionen.

    Wieso findest du es so belangreich, daß Menschen intensiv über Hanf informiert werden?

    Hanf ist so wichtig für unsere Geschichte gewesen. Die Schiffe mit denen die Niederländer damals die Weltmeere beherrschten waren zum großen Teil aus Hanf. Die Kleidung, der Schiffszwieback der gegessen wurde, das Öl in den Lampen und die Segel. Die Taue die sie verwendeten waren aus Hanf. Unser „Goldenes Zeitalter“ wäre ohne Hanf nicht möglich gewesen. Die Geschichte dieser Pflanze ist wahnsinnig interessant. Wußtest du, daß Henry Ford schon 1927 Hanffasern in seinen Autos verbaute? Und heute liefert meine Firma „HempFlax“ Fasermatten aus Hanf an Mercedes, BMW und Bentley. Die verwenden diese dann unter anderem als Türverkleidungen oder Armaturenbretter. Hanf ist ja nicht nur nachhaltig, sondern auch sicherer als Kunststoff.

    HempFlax produziert industriellen Hanf-Was ist das genau?

    Das ist nicht die Sorte Hanf von der man „High“ wird, sondern ein Faserhanf der zu allerlei verwendet werden kann: Isoliermaterial, Möbel, Kleidung, Papier, als absorbierende Einstreu für Stallungen. Faserhanf ist sogar ein Superfood: Die Samen sind voll von Omega Fettsäuren, Antioxidantien, Eisen, Eiweiße, und Ballaststoffen. Eigentlich kannst du alles aus Hanf machen; du notierst das doch alles? In Oude Pekela, Groningen und Rumänien haben wir zusammen jetzt 2600 Hektar voller Hanf, das ist eine gigantische Größe.

    Und lukrativ will ich doch hoffen.

    Seit ich 1993 angefangen habe, habe ich viele Millionen Euro damit verloren.

    Wie bitte?

    Ja, alle haben gegen uns gearbeitet. Zum Glück machen wir aber in den letzten Jahren Gewinn.

    Und wieso ist du nicht ausgestiegen?

    Weil ich an die Pflanze glaube. Hanf ist das einzige nachhaltige Ackerbaugewächs. Und Bambus. Aber der wächst hier nicht so schön. Und wenn es mir nur ums Geld ginge, hätte ich kein Cannabis Museum eröffnet. Oder hier auf dem Oudezijds Voorburgwal die Stiftung Cannabis College finanziert; ein Informationspunkt wo Touristen sich gratis über Cannabis informieren können.

    Aber 30 Millionen Euro Verlust ist schon eine sehr extreme Form  der Philanthropie.
     Ich habe ja zum Glück auch mehr als genug verdient. Wir sind jetzt der größte Produzent von CBD- Öl in Europa, damit setzen wir rund 6 Millionen Euro im Jahr um. Und der Verkauf von Cannabissamen läuft wie auf Schienen. Wir haben rund 500 verschiedene Samen in unserem Angebot, darunter ein paar wirklich besondere.

    Was muß ich mir unter besonderen Samen vorstellen?

    Es gibt sehr viele unterschiedliche Sorten Cannabis, jede hat ihre eigene Genetik mit einzigartigen Eigenschaften. SensiSeeds hat dutzende Skunksorten die man bereits ab 14 Euro kaufen kann. Aber für 10 Samen Jack Herer, unsere wohl beste Pflanze, zahlst du 165 Euro. Wir verkaufen hier in unseren Shops und im Internethandel etwa eine halbe Million Päckchen Samen im Jahr. Rechne mal aus wieviel wir etwa umsetzen.

    Und das ist alles Legal?

    Ja und ich bezahle ordentlich Steuern dafür. Als ich 1985 anfing, habe ich einen teuren Anwalt beschäftigt, der sich mit dem Gesetz (Opiumwet) auskannte. Es schien, das das Verkaufen von Samen erlaubt ist. Also habe ich alles ordentlich beim Landwirtschaftsministerium und bei der Polizei angemeldet.

    Du verkaufst Samen auch ins Ausland.

    Wir versenden die Samen nur in Länder wo es erlaubt ist, im Schengenraum.

     

    Jetzt sitzt du fast ein halbes Jahrhundert im Hanfgeschäft, hast in Rotterdam Hasch verkauft, besitzt mehrere Coffeeshops: Du mußt doch zwangsläufig mit Kriminellen aneinander geraten sein.

    Die Leute die in den 70ern/80ern in einer Dachkammer Gras angebaut haben, waren keine kriminellen. Das waren Jungs mit grünen Fingern. Erst hatten sie lange Finger: es waren Fahrraddiebe, Einbrecher, Gauner. Die wirklich großen Burschen tauchten doch erst viel später auf.

    Aber du hattest auch in DEN Tagen Coffeeshops, in den Tagen von Klaas Bruinsma.
    Ja. Macht mich das zu einem kriminellen? Oder macht das alle Niederländischen Blower die geschmuggeltes Hasch geraucht haben zu kriminellen?

     

    Du hast dich immer am Gesetz gerieben/gescheuert

    Gescheuert? Nein ich wurde dagegen gesteuert, durch das Gesetz und die Obrigkeit solltest du sagen. Schreib das mal auf, das gefällt mir. Gesteuert, nicht gescheuert. (Schlecht zu übersetzendes Wortspiel)

    Trotzdem bekamst du es mit denen zu tun – ob du wolltest oder nicht.

    Durch die absurde Gesetzgebung wurdest du als ehrlicher Coffeeshopbesitzer doch in Richtung Kriminalität getrieben. Siehe doch den Coffeeshop in Terneuzen, den Checkpoint. Jetzt ist er geschlossen, aber er war mal der größte CS in Europa. Die hatten einen Umsatz von 25 Mio. Euro, die Gemeinde hat extra einen großen Parkplatz angelegt. Wie hat so ein Shop eingekauft? Weißt du was die Bauern in Afghanistan an einem Kilo Hasch verdienen? 100 Euro. Dasselbe Kilo bringt hier 16.000 Euro ein. Wäre es nicht schön wenn man den kriminellen Zwischenhandel ausschalten könnte und dem Bauern eine ehrliche Bezahlung zukommen würde? Und von dem Geld Schulen und Krankenhäuser gebaut werden könnten?

    Du wohnst in Malaysia. Warum?

    Warum sind die Bananen krumm?

    Was?

    „Haha, ich sah die Bananen da liegen, deshalb. Sorry, was wolltest du wissen?

    Warum du in Malaysia wohnst?

    Weil es dort herrlich ist. Schönes Wetter, nette Menschen. Eine gemütliche Atmosphäre. Für mich ist Borneo ein Paradies, erst recht seit ich pensioniert bin.

    Aber du arbeitest doch immer noch.

    Ich habe noch die Aufsicht im Betrieb aber die Tagesgeschäfte liegen in der Hand des Managements.

    Du  machst auf mich nicht den Eindruck jemand zu sein der entspannt das Heft aus der Hand gibt.

     

    Wie kommst du da drauf?

     

    Du hast mir jetzt sicher vier mal gesagt was ich aufschreiben soll.

    Das ist nur deswegen weil ich in den Medien soviel Unsinn lese.


    Vielleicht ist es etwas früh, du bist erst 69, aber wenn du zurückblickst auf dein Leben mit Hanf, was siehst du da?

    Jesus, da fragst du mich aber was. Die Pflanze hat mir soviel gebracht. Sie hat mich mit so vielen fantastischen Menschen zusammengeführt. Dries van Agt zum Beispiel, ein wirklicher Vorreiter der Legalisierung. Oder Hedy d’Ancona, die vor 6 Jahren noch das Museum eröffnet hat. Und Sir Richard Branson der bei der Eröffnung des Hanfmuseums in Barcelona zu Gast war. Dann finde ich es schön, das wir in unserer Saatbank Sorten haben, die sonst nicht mehr existieren würden. Und das medizinische Gras, welches aus unseren Samen gezüchtet wird. Sowie die Sammlung der zwei Museen, die wirklich einzigartig ist. Aber ich schaue nicht oft zurück auf mein Leben, ich schaue lieber in die Zukunft.

    Dries van Agt (links) auf dem CBD Amsterdam 2016

    Worauf bist du am meisten Stolz?

    Auf meine sechs Kinder. Die sind alle, auf die eine oder andere Art, im Betrieb tätig und verbreiten dieselben Visionen mit denen ich vor 30 Jahren in das Geschäft gestartet bin. Sie spielen alle eine Rolle im Betrieb. Es ist nicht immer einfach einen Betrieb zu übergeben und erst recht nicht einen Betrieb der so rasant wächst wie wir es nun tun. Manchmal komme ich aus Malaysia hierher um noch Sachen zu regeln, aber ich bin kein Chef der ständig alles kontrolliert. Weißt du was ich jetzt schön finde? Letztens hatten wir ein Betriebsfest, da habe ich eine Rede gehalten. Da standen mir mehr als hundert Arbeiter, Menschen aus so vielen verschiedenen Ländern gegenüber, es ist wie der Garten der vier Windrichtungen. Und alle diese Menschen sind durch diese eine Pflanze miteinander verbunden. Das ist doch wunderbar.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Klaas_Bruinsma
    https://www.parool.nl/amsterdam/-hennep-is-het-gewas-dat-de-mensheid-gaat-redden~a4603007/

     

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